Der Gottesdienst

Der Gottesdienst steht im Zentrum des Gemeindelebens. In ihm besinnt sich die Gemeinde auf das Entscheidende: Gottes Liebe, die in Jesus Christus in die Welt gekommen ist, damit "alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben" (Johannes 3,16).

Der evangelische Gottesdienst ist eine Sache der Gemeinde: Im gemeinsamen Singen und Beten kommt die Gemeinde zu Wort. In Gebeten und Predigten wird aufgenommen, was Menschen hier und heute bewegt.
Die verschiedenen Zeiten des Kirchenjahres – von der Adventszeit über die Christusfeste Weihnachten und Ostern bis hin zum Erntedankfest und zum Ewigkeitssonntag –  feiert die Gemeinde. Damit lädt sie auch dazu ein, die innere Bewegung nach zu vollziehen, die sich in den Zeiten des Kirchenjahres widerspiegelt: Erwartung und Erfüllung, Trauer und Freude, das Leben in allen seinen Schattierungen hat im Gottesdienst seinen Platz.

Unterschiedlichen Lebensweisen kommt der Gottesdienst entgegen, indem er unterschiedlich gestaltet wird: 

  • Der Sonntagsgottesdienst findet in der Regel um 10:00 Uhr statt.
  • Kinder im Alter von 3 bis 12 Jahren werden zu KECK - Kids erleben coole Kirche  eingeladen. KECK trifft sich am 3. Sonntag im Monat um 09:45 Uhr.
  • Der Gottesdienst für alle Generationen ist der Familiengottesdienst.
  • An Bewohner des Seniorenzentrums Malzfabrik  wendet sich der Gottesdienst, der an jedem zweiten Mittwoch im Monat um 16:30 Uhr dort gefeiert wird.
  • Auch das ökumenische Miteinander mit den katholischen Geschwistern wird in den Gottesdiensten gepflegt: Bei den Fastenpredigten in der Passionszeit, mit dem gemeinsamen Gottesdienst am Pfingstmontag auf dem Kirchplatz der katholischen Kirche St. Peter und Paul sowie im ökumenischen Gottesdienst zum Erntedankfest der Winzer am vierten Sonntag im Oktober, im Festzelt am Hochheimer Markt und bei weiteren Gelegenheiten.

Predigt vom 4. Advent

Der Herr ist nahe

Predigt

Freut euch im Herrn allezeit! Nochmals sage ich es: Freut euch! Lasst alle Menschen eure Freundlichkeit spüren. Der Herr ist nahe. Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, bewahre eure Herzen und eure Gedanken in Christus Jesus.

Der Apostel Paulus schreibt seinen Brief an die Gemeinde in Philippi aus der Gefangenschaft in Ephesus. Mit den Philippern verband ihn eine enge geistliche Gemeinschaft und Freundschaft. Seine Gefangenschaft war lebensbedrohlich. Grund zu einem vordergründigen Optimismus hatte er nicht.

Die Gemeinde in Philippi war mit ihrer geschwisterlichen Leitung, mit ihrem diakonischen Einsatz für die Armen in der Stadt, mit ihrem Bekenntnis zu Jesus Christus als dem Herrn der Welt eine öffentliche Infragestellung des römischen Herrschaftssystems. Das war durch die öffentlichen Kaiserbilder, vor denen die Menschen opfern und anbeten mussten, stets nahe und allgegenwärtig.  Wer sich damit arrangierte, lebte mit diesem römischen Frieden sicher und gut. Wer dem widersprach wie die junge Christenheit, lebte in Unsicherheit und Angst. 

Dieser Gemeinde schreibt der gefangene Apostel: „Freuet euch in dem Herrn alle Zeit; nochmals sage ich es: Freuet euch.  Lasst alle Menschen eure Freundlichkeit spüren. Der Herr ist nahe.“

Welche Umkehrung! Nicht mehr ängstigen soll sich die unbedeutende Schar der Christen. Freuen können, dürfen sie sich, denn - 

Der Herr ist nahe; der Herr Jesus Christus – nicht aber der Herr, der Kaiser in Rom ist. Welch eine Ermutigung! Die Gemeinde beginnt zu verstehen:

  • Unser Herr ist nahe – im und durch den Heiligen Geist
  • Unser Herr ist nahe – in gemeinsamem Gebet und Gesang
  • Unser Herr ist nahe – bei der Mahlfeier
  • Unser Herr ist nahe – bei der Lesung der Briefe des Apostels
  • Unser Herr ist nahe – im diakonischen Dienst der Gemeinde  
  • Und schließlich: Der Herr Jesus Christus ist nahe, weil sein Kommen bevor steht, weil er an die Tür der Herzen der Gemeinde klopft, die mit seinem neuerlichen Advent, seiner Ankunft rechnen darf. Dann wird alles neu werden. Gottes Neuschöpfung wird Gestalt annehmen. Der wird die Tränen von allen Gesichtern abwischen, alles Leid, alle Trauer, aller Tod werden für ewig überwunden sein, wie es vor langer Zeit schon der Prophet Jesaja erhofft hatte.

Das kann die  Philipper bei allen Unsicherheiten des tägliche Lebens hoffnungsvoll und getrost angehen lassen. Voll Vertrauen wegen der Nähe des Herrn Jesus Christus. Trotz der Nähe der Kaiserbilder.

Wir hören diese Botschaft ca. 1960 Jahre später – am vierten Advent, vier Tage, bevor wir und die ganze westliche Christenheit den Advent Jesu Christi in unserer Welt feiern, also seine Ankunft zur Weihnacht. Freude trägt so mancher von uns in diesen Tagen im Herzen. Vielleicht auch beklommene Freude. Wir freuen uns auf Weihnachten, auf Besuche, auf kleine oder gar größere Geschenke, auf Anrufe, Briefe, mails, ja vielleicht auch auf einige  gemeinsame Stunden mit unseren Lieben, auch auf festliche Gottesdienste, wo und wie immer sie gestaltet werden.

Diese weihnachtliche Freude spiegelt die Freude wider, zu der Paulus die Philipper ermuntert. Denn auch uns gilt: Der Herr Jesus Christus ist nahe:

  • nahe in dem biblischen Wort, das wir in der Kirche oder zuhause lesen und hören
  • Nahe in den Liedern, die wir im Herzen tragen oder singen
  • nahe in unseren Gebeten
  • nahe in dem Raum, den wir IHM im Getriebe des Alltags in unserem Leben gewähren
  • nahe im Sakrament des Abendmahls, wenn wir Brot und Wein teilen
  • nahe in Zeichen menschlicher, freundschaftlicher, nachbarschaft-licher Verbundenheit
  • nahe in Aktionen von Solidarität, z. B. von Brot für die Welt oder der Weihnachtsfeier in der DW Teestube für  Obdachlose
  • und nahe auch, weil er uns am Ende unseres Lebens barmherzig entgegen kommt, und nicht das große Nichts oder die große Abrechnung auf uns warten.

Diese Nähe Jesu Christi wird sich nicht am 27. Dezember verflüchtigen. Sie kann unser Leben in`s Neue Jahr tragen, zum Vorzeichen unserer Existenz werden.

Für Paulus hatte das Konsequenzen im Alltag: Eine Gemeinde, die die Freude im Herzen, im Gesicht und auf den Lippen trug, weil der Herr nahe war, konnte ihre Freundlichkeit, ihre Barmherzigkeit, ihre Güte andere Menschen spüren lassen. Hierfür gab es keine Grenzen; keine Grenzen der Religion, der sozialen oder ethnischen Zugehörigkeit. Deshalb wurde sie stadtbekannt und für die einen attraktiv, für andere verstörend oder gar gefährlich.

Angesichts des gekommenen und wieder kommenden Herrn Jesus Christus können auch heute Christinnen und Christen untereinander und anderen gegenüber ihre Freundlichkeit, ihre Barmherzigkeit, ihre Solidarität  spüren lassen. Z. B. mit einer Kultur des Willkommens gegenüber Fremden, die eingeübt und  gepflegt sein will.  In Ihrer Gemeinde gab es das beeindruckende Cafe Vielfalt, eine Begegnungs-möglichkeit für und mit Geflüchteten. EVIM, der Evgl. Verein der Inneren Mission, hat in Wiesbaden 2016 das Projekt „Patenschaft mit Geflüchteten“ eingerichtet. In sozialpädagogischer Begleitung wurden Biodeutsche und Geflüchtete als Pärchen oder Kleingruppen zusammen gebracht, um das Leben in Deutschland und in Wiesbaden jeweils ein halbes Jahr oder länger kennen zu lernen. Im vergangenen Jahr habe ich einen Jugendlichen aus Afghanistan begleitet, der bei seiner Flucht über das Mittelmeer seine Eltern und zwei Geschwister verloren hatte. Regel-mäßig haben wir uns getroffen zum Reden über Gott und die Welt, spazieren Gehen, Spielen, Stadt Erkunden, diese so fremde Gesellschaft Verstehen.

Als ich in diesem Sommer EVIM  eine erneute Patenschaft anbot, war die verantwortliche Sozialarbeiterin hoch erfreut. Als im Hebst 2015  zahlreiche Flüchtlinge kamen und EVIM daraufhin dieses wunderbare Projekt begann, meldeten sich überwältigend viele Wiesbadener. Aber die Zeiten haben sich geändert, so die Sozialarbeiterin. Es finden sich kaum noch Freiwillige. Und die sich melden, legen oft Wert auf Anonymität. Sie fürchten, wegen einer zu großen Fremdenfreund-lichkeit in der Öffentlichkeit denunziert und schlecht gemacht zu werden.

Ich verstehe Paulus und die Anfänge der Gemeinde in Philippi anders.  „Freut euch! Lasst alle Menschen eure Freundlichkeit spüren. Der Herr ist nahe.“ weist einen Weg zu offener und öffentlicher Solidarität mit denen, die es nötig haben, die auf uns angewiesen sind, die Dolmetscher brauchen für eine ihnen fremde Kultur. Religiöse, nationale oder andere Grenzen sind bei dem Völkerapostel nicht vorgesehen. Tut uns da sein Zuruf nicht sehr, sehr gut?!

Nun wissen wir alle, dass das mit der adventlichen und weihnachtlichen Freude dieses Jahr so eine Sache ist. Ungeteilt, überschäumend will sie sich kaum einstellen. Dafür haben wir eine zu schwierige Zeit hinter uns und auch noch vor uns. Ein Weihnachtsfest mit wohl überlegtem Abstand, mit weniger Besuch, mit der Erinnerung an heftige Erkrankungen, an Einschnitte und Ängste verschiedenster Art kann die Festtagsstimmung trüben.

Und dennoch, liebe Schwestern und Brüder, fällt Weihnachten nicht aus. Selbst wenn unsere Gottesdienste gefährdet sind oder gar abgesagt werden. Wir feiern ja nicht, weil es 2020 uns so gut gegangen ist, weil wir im Vergleich mit anderen so gut dastehen, oder weil wir nochmal davon gekommen sind. Wir feiern nicht uns selbst oder unseren ungebrochenen Optimismus. Genauso wenig brauchen wir uns zu verkriechen in Ängstlichkeit und Trauer, weil in diesem Jahr alles so anders ist. Nein, Weihnachten ist nicht abgesagt. 

In vier Tagen feiern wir mit Christen überall auf dieser so herrlichen und doch so geschundenen Erde, dass Gott uns an Weihnachten nahe gekommen, einer von uns geworden ist. Wir feiern in  Dankbarkeit und Freude, dass sich der Himmel geöffnet hat und Gott mit uns solidarisch wurde. Diese Solidarität trägt -  bei einer überschäumenden wie bei einer stillen Feier, im großen Kreis oder wenn wir alleine sind, wenn wir die Ängste vergangener Wochen noch spüren oder wenn wir angstfrei haben leben können. Sie stellt uns in eine große Gemeinschaft mit so vielen anderen Christinnen und Christen – hier in Hochheim, in Wiesbaden, in Deutschland, ja überall auf der Welt mit all denen, die heute Morgen hören:   

Freuet euch in dem Herrn alle Zeit, und abermals sage ich: Freuet euch!  Eure Freundlichkeit lasst alle Menschen spüren. Der Herr ist nahe!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Gedanken in Christus Jesus.


Schlussgebet

Der Keim zu einer neuen Welt ist gelegt, Gott, Schöpfer,
lass die Freude wachsen und mit ihr die Hoffnung,
die Menschen brauchen zu überleben
in Zeiten von Unsicherheit, Zukunftsangst, Friedlosigkeit.
Freut euch, freut euch, der Herr ist nah.
Freut euch und singt Halleluja.

Der Keim zu einer neuen Welt ist gelegt,  Gott, Erlöser,
lass die Freude wachsen und mit ihr den Glauben,
den Menschen brauchen, um Leben zu finden in dürrer Zeit,
in der Oberflächlichkeit und Desinteresse sich geschickt tarnen
mit bunten, lärmenden Masken.
Freut euch, freut euch,  der Herr ist nah.
Freut euch und singt Halleluja.

Der Keim zu einer neuen Welt ist gelegt,  Gott, Versöhner,
lass die Freude wachsen und mit ihr die Liebe,
die Menschen brauchen, um Leben miteinander zu gestalten,
wo keiner festhalten muss, was er hat, sondern geben kann
und dadurch erhält, was er braucht: Leben in Fülle,
ohne Abstand, ohne Angst, dafür in Gemeinschaft. 
Freut euch, freut euch, der Herr ist nah.
Freut euch und singt Halleluja.

Lass uns in der Vorfreude auf dein kommendes Reich schon jetzt dieses Leben entdecken und mit anderen teilen. 
Amen

Musik und Predigt vom 2. Advent 2020

Prädikant Martin Maurer aus Wiesbaden

06.12.2020 – Übt euch in Geduld, Brüder und Schwestern, bis der Herr wiederkommt!


Musik zum Gottesdienst
Orgelmusik von Richard Henger, aufgenommen am 18.11.2020 an der Weigle-Orgel der ev. Kirche zu Hochheim a.M.

 

2. Advent 2020

Orgelvorspiel "Wir sagen Euch an den 2 Advent" (Improvisation)

EG 152 "Wir warten dein, o Gottes Sohn"

EG 6 "Ihr lieben Christen freut euch nun"

EG 1 "Macht hoch die Tür"

EG 19 "O komm, o komm, du Morgenstern"

Orgelnachspiel Richard Henger: Improvisation zu "Maria durch den Dornwald ging"

 

Predigt:

„Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt.“ Amen.


Den heutigen Predigttext finden wir im Jakobusbrief 5,7-11 (BasisBibel)

7 Übt euch in Geduld, Brüder und Schwestern, 
bis der Herr wiederkommt!

Seht, wie der Bauer auf die köstliche Frucht seines Ackers wartet: Er übt sich in Geduld – so lange, bis Frühregen und Spätregen gefallen sind. 8 So sollt auch ihr euch in Geduld üben und eure Herzen stärken. Das Kommen des Herrn steht nahe bevor. 9 Brüder und Schwestern, beklagt euch nicht übereinander, damit Gott euch nicht verurteilt. Seht doch, der Richter steht schon vor der Tür. 10 Brüder und Schwestern! Denkt an die Propheten, die ihre Botschaft im Namen des Herrn verkündet haben: Sie sollen euer Vorbild darin sein, Leid zu ertragen und euch in Geduld zu üben. 11 Seht doch, wir preisen diejenigen glückselig, die standhaft geblieben sind! Ihr habt gehört, wie standhaft Hiob war.

Und ihr habt gesehen, wie Gott es bei ihm zu einem guten Ende gebracht hat. Denn der Herr ist voller Mitleid und Barmherzigkeit.


Liebe Gemeinde,

 diese Worte in der heutigen Coronazeit kommen uns doch mehr als bekannt vor.

Übt euch in Geduld, Brüder und Schwestern,
bis der Herr wiederkommt!

Auch wir üben uns in Geduld bis wir unser Vorcoronaleben wiederhaben. Falls es überhaupt noch einmal so sein wird wie zuvor. Aber, zurückdrehen geht nicht, das Geschehene ungeschehen machen auch nicht, und doch wünschen wir uns dies doch auch hin und wieder?

Aber zurückfallen hinter die unheimliche, mystische und am Ende heilbringende Geschichte des Mannes, der seit 2000 Jahren die Menschheit elektrisiert? Sicher nicht. Die Geburt Jesu, die wir immer wieder aufs Neue und jedes Jahr feiern, wie unseren eigenen Geburtstag. Mit allem Brimborium. Nicht still, eben immer bunter, immer verrückter. Da lösen sich beleuchtete Adventshäuser oder neudeutsch Eventhäuser, vom ursprünglichen Kerzenlicht und verselbständigen sich zu einer Attraktion, mit Glühwein und Bratwurstverkauf. Da ist der Bezug zur stillen und besinnlichen Adventszeit, die ja eine Bußzeit ist, ins Gegenteil gekehrt.

Und so ähnlich dürfen Sie sich die Situation der Urchristen vorstellen. Nicht dass damals der Konsum im Vordergrund gestanden hätte, die Anfeindungen der Umwelt waren damals viel konkreter als für uns heute. Etwa so wie heute in den muslimisch geprägten Staaten, wo selbsternannte Religionswächter Staatsterrorismus im Namen des Islam verüben. Mit den schrecklichsten Folgen. Wir hören jeden Tag davon und bekommen es in Form der vielen Asylsuchenden auch ganz drastisch vor Augen geführt.

Seht, wie der Bauer auf die köstliche Frucht seines Ackers wartet: Er übt sich in Geduld – so lange, bis Frühregen und Spätregen gefallen sind. 8 So sollt auch ihr euch in Geduld üben und eure Herzen stärken. Das Kommen des Herrn steht nahe bevor.

Das Kommen des Herrn war NICHT die Adventszeit, die wir erst seit der Neuzeit in der Form kennen. Nein, das Kommen des Herrn, die Erwartung seiner Ankunft um die neue Zeit einzuleiten, die war damals konkret. Und die Urchristen warteten sehnsüchtig auf die Ankunft von Jesus um dann ein besseres Leben im Jenseits zuführen. Die Hoffnung war, es kann jetzt jederzeit geschehen!

Brüder und Schwestern, beklagt euch nicht übereinander, damit Gott euch nicht verurteilt. Seht doch, der Richter steht schon vor der Tür.

Er ermahnt die Urgemeinde, sich mit der Situation, wie sie nun Mal ist, abzufinden und sich nicht dauernd zu beschweren. So wie wir. Uns geht es gut, die allermeisten haben ein Luxusproblem. Konnten kein Geld für Urlaube ausgeben, oder keine Feste oder Konzerte besuchen. Alles in allem ist doch aber unser Leben sicher, wenn wir uns nur an die wenigen Coronaregeln halten. Und die, die erkrankten und um ihr Leben kämpften und davonkamen, könnten ein Lied davon singen. Lassen wir doch ab von dauernden Klagen, insgesamt sind wir doch bisher gut durch die Krise gekommen. Ich verschmerze, dass es in diesem Jahr keine Weihnachtsmärkte gibt. Ja, es gehörte lange zur vorweihnachtlichen Tradition sich mit Freunden auf einen Glühwein zu treffen oder über einen Markt zu bummeln. Gut, in diesem Jahr geht das nicht, aber wir leben und es geht uns gut!

Und so ruft Jakobus: Brüder und Schwestern! Denkt an die Propheten, die ihre Botschaft im Namen des Herrn verkündet haben: Sie sollen euer Vorbild darin sein, Leid zu ertragen und euch in Geduld zu üben.

Und ja, wir denken bei Leid automatisch an Hiob, der viel Leid ertrug, nicht von seinem Gott abfiel und dafür am Ende vielfach belohnt wurde. Seht doch, wir preisen diejenigen glückselig, die standhaft geblieben sind! Ihr habt gehört, wie standhaft Hiob war. Und ihr habt gesehen, wie Gott es bei ihm zu einem guten Ende gebracht hat.

Auch wir werden belohnt, wenn wir uns entsprechend der Richtlinien verhalten. Denn auch im Gottesdienst müssen wir die neuen Regeln aushalten. Und es geht auch, selbst wenn ich die gesungene Liturgie und den gemeinsamen Liedgesang vermisse. Aber ich bin zuversichtlich, schon im Frühjahr wird sich das ändern. 

Denn der Herr ist voller Mitleid und Barmherzigkeit.

Und die Barmherzigkeit werden wir in der Weihnachtsnacht wieder erleben, wenn wir die Geburt Jesu feiern. Andächtig, voller Hoffnung, die uns durch diese Geburt gegeben wurde. Sonst würden wir sie nicht jedes Jahr aufs Neue feiern und uns dieser HEILIGEN NACHT erinnern. Wo ein paar Hirten die Zeugen der Geburt wurden. Geboren in Niedrigkeit, nicht im Luxus, gelebt wie ein Bettler, der keine Reichtümer wollte, gestorben wie wir als Mensch und mit Schmerzen, um in Herrlichkeit aufzuerstehen, uns zur Hoffnung. Dafür, liebe Gemeinde, lohnt es sich, dass uns jetzt auferlegte Leid zu ertragen. Weil es uns selbst trägt, weil wir Jesus in uns tragen, das macht den Unterschied.

Heute ist Nikolaustag. Um Bischof Nikolaus von Myra (3. Jh) und um dessen Großzügigkeit ranken sich zahlreiche Legenden. Der Nikolaustag ermuntert zum zweckfreien, stillen Geben und erinnert daran, wieviel uns selbst von Gott geschenkt worden ist: „Aus Gnade seid ihr selig geworden.“ NICHT aus Werken! Aus diesem Reichtum heraus können wir selbst immer wieder Freudenboten werden, Traurige trösten und Bedürftigen helfen – ein bisschen so wie Nikolaus.

 
Dazu lese ich Ihnen ein Gedicht vor: Das Gedicht kann auf 2 Arten gelesen werden, von oben nach unten und, wenn es zweispaltig nebeneinandersteht, quer. Ich lese es zunächst von oben nach unten, dann quer.

Ich kann nur lachen überHöher! Schneller! Weiter!
Das Gebot, alles zu teilenIst ein Versprechen, umso mehr zu erhalten
Was ich besitze istEin Geschenk
Mein VerdienstHilft vielleicht anderen
Zu Recht geht leer ausWer nur an sich denkt
Wer gern gibtDem wird es gut gehen.