"Ich glaube. Hilf meinem Unglauben!"

Jahreslosung für das Jahr 2020

Markus, 9 Vers 24

Auf den Seiten der  EKD  finden Sie dazu Gedanken des Ratsvorsitzenden Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.

 

Das Wort zu Sonntag HZ vom 10.01.2020 beschäftigt sich auch mit der Jahreslosung 2020

Mein erster Gedanke zur neuen Jahreslosung war: ‚Oh je, schon wieder so was Sperriges, hier geht es wohl um Zweifel‘. Sofort fühle ich mich ertappt. Ertappt bei dem, was mir schon seit einiger Zeit immer wieder im Kopf rumgeht und mich irritiert. Und diese meine Zweifel werde ich Ihnen heute zumuten.

Gott besteht aus drei Teilen, nämlich Jesus Christus der Sohn, der Heilige Geist und Gott-Vater. Mit den ersten beiden Teilen habe ich keine Probleme, aber die Sache mit dem Vater führt zu Unbehagen. Könnte es nicht auch Mutter sein? Oder ein Es? Bei Vater taucht vor meinem inneren Auge sofort dieser Mann mit weißem Bart auf, also ein männlicher Mensch. Der sitzt auf einem Thron und zu seiner Rechten sitzt Jesus. Gott ist doch aber erst in Jesus zum Mensch geworden. Und nun sitzen da zwei Menschen? Wir beten: „Vater unser im Himmel…“ und im Glaubensbekenntnis: „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde…“ Für mich bildet das eindeutig eine Menschengestalt ab. Ist das ein Kinderglauben mit dem ich groß geworden bin und der sich nicht weiter entwickelt hat? Werde ich zu einer Ungläubigen, wenn ich Gott nicht in Menschengestalt denken mag? Dem Heiligen Geist  weise ich keine Gestalt zu. Den denke ich genau wie Seele ohne Gestalt, ohne ein festes Bild im Kopf. Kann das auch für Gott funktionieren?

Fragen über Fragen. Antworten stellen sich eher wie Puzzleteile dar und werden nicht zu einem vollkommenen Bild, das dann richtig ist. Wie glaube ich richtig? Schon wieder eine Frage. Die Puzzleteile zeigen sich so: Es tut mir gut, an den liebenden Gott zu glauben. Das darf auch die liebende Göttin sein. Der Heilige Geist als unterstützende Gott-Energie führt das zusammen. Diese Energie kann ich spüren und Stärkung daraus beziehen. Es tut mir gut, Jesu Botschaft: „Liebt einander! So wie ich euch geliebt habe, sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr Liebe zueinander habt.“ (Joh 13, 34-35) als Orientierung für mein Handeln anzunehmen. Das ist nicht immer einfach, denn es gibt Tage, an denen es mir schwer fällt, mich zu lieben und es gibt auch Menschen, denen ich nicht in Liebe begegnen kann. Ich gebe, was mir möglich ist. So wie Jesus auch. Selbst er konnte unfreundlich werden, sogar gegenüber seiner Mutter: "Was geht's dich an, Frau, was ich tue?" (Joh 2,4).

Auch mit all meinen zweifelnden Fragen fühle ich mich im christlichen Glauben in der Liebe Gottes gut aufgehoben und freue mich auf jede Antwort, die mir zum Nachdenken und Nachspüren entgegen kommt. Sprechen Sie mich doch einfach mal an!

 

Möge Gottes Segen Sie im gerade begonnenen Jahr begleiten!

Bianca Ferse
Evangelische Kirchengemeinde