Wort zum Sonntag vom 7.2.2020

Was nachklingen kann

Einmal, an einem winterlichen Abend, habe ich Sätze zusammensuchen wollen, die ich an diesem einen Tag gelesen hatte. Nur so … als Selbstversuch … was hängengeblieben war … was jetzt in diesem gemütlichen Abendmoment noch oben auf lag … Würde ich wenigstens noch zwei, drei Zeitungsüberschriften dieses Tages wissen? Bekam ich selber noch den ersten Satz von jenem Arbeitsblatt zusammen, das ich wenigen Stunden zuvor im Konfirmandenunterricht verteilt hatte? Ziemlich wörtlich wusste ich noch einen Satz aus einem Brief, den ich morgens geöffnet hatte. Aber ansonsten?
Was mir zuerst, wie ungefragt, in den Sinn kam, waren Sätze, von denen ich finde, dass sie meinen Kopf verstopfen. „Streu Glitzer drauf“ – was auf einer Packung Papiertaschentücher steht. Oder auf der Verpackung eines Teebeutels: „Sei eine Stimme, kein Echo“. Ich hätte gedacht, diese Nebenbei-Sätze hätte ich gar nicht gelesen. Aber, von wegen, sie waren da, hatten sich festgesetzt. Während ich mich fragte „brauch‘ ich die?“, wartete ich also ab, ob da noch andere an diesem Tag gelesene Sätze aufsteigen würden.
Es tauchte kein tagesaktueller Satz mehr auf; stattdessen einer, den ich etwa eine gute Woche vorher in einem älteren Buch von Anselm Grün  (50 Engel für das Jahr, im zehnten Kapitel über den Engel der Dankbarkeit) gelesen hatte: „Manchmal ist unser Gebet für die anderen eher ein Gebet gegen sie.“
Dieser Gedanke des Benediktinerpaters hatte mich getroffen – so, dass ich anscheinend noch nicht damit fertig war, dem nach-zu-denken.
Könnte er nicht recht haben mit dieser Einschätzung: Wir erbitten gelegentlich für einen anderen Menschen etwas, das diesem Menschen zuteilwerden möge, das er tun möge, das sich für ihn ändern möge, wofür er Mut gewinnen möge …  – und bitten damit um eine Veränderung, die diesem anderen Menschen womöglich überhaupt nicht entspricht.
Anselm Grün empfiehlt dagegen etwas anderes: im Gebet Gott für diesen Menschen, wie er ist, zu danken. Für das Glück, ihn oder sie kennen zu dürfen, könnte ich mir vorstellen. Oder für das, was ich mit ihr oder ihm gelernt habe, oder vielleicht sogar für die Zumutungen, an denen ich durch ihn gewachsen bin.
Heute, in ein paar stillen Minuten dieses Abends, wenn Sie den Tag für sich und/oder vor Gott beschließen – ob da der Satz von Anselm Grün noch mal da ist, Ihnen nachklingen kann? Und in Ihr Beten hineinwirkt? Vielleicht hat er diese Kraft zwischen allen anderen mehr oder weniger wichtigen Sätzen dieses Tages.

Pfrin. Christiane Monz-Gehring