Wort zum Sonntag

Sonntag am Meer

 

Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach da zu sitzen und vor sich hin zu schauen. Astrid Lindgren

 

Ich stehe wieder einmal an diesem Endlosstrand an der Nordsee, lausche dem Rollen der Wellen und dem Wind, bin überwältig von der Weite und Leere die sich mir bietet und dankbar, dass ich hier sein darf. Dieser Ort macht mit mir, was Zuhause oft nur in Ansätzen gelingt – tiefe Ruhe tritt ein und das Nichtstun verliert seinen vermeintlichen Makel, der Blick schärft sich für die kleinen Dinge des Lebens und ich kann einfach nur im Hier und Jetzt sein, mich besinnen, nachdenken, mich sammeln.

 

In einer Welt, die ständig in Bewegung zu sein scheint und in der mein Alltag in der Regel von Terminen und Verpflichtungen besetzt ist, ist es leicht, den Sinn für Ruhe und Besinnung zu verlieren. Doch gerade inmitten dieser Hektik scheint es mir immer wichtiger, sich bewusst Zeit für sich selbst und für das Nichtstun, das „einfach da zu sitzen und vor sich hinschauen“ zu nehmen.

 

Die Ferien, der Urlaub oder auch Feiertage laden dazu ein. Auch der Sonntag bietet uns wöchentlich die Gelegenheit dazu. Er ist ein Tag, der uns einlädt, einen Schritt zurückzutreten und uns Zeit für uns selbst zu gönnen. Ein Tag, an dem wir die Möglichkeit haben, zur Ruhe zu kommen, uns zu entspannen, unsere eigenen Batterien aufzuladen, uns zu besinnen. Indem wir uns bewusst Zeit für freie Zeit und Entspannung nehmen, können wir nicht nur unserer Körper und unsere Seele nähren, sondern auch unsere Beziehung zu Gott vertiefen, in den Momenten der Ruhe und des Innehaltens seine Gegenwart besonders intensiv spüren und uns seiner Liebe und Fürsorge gewiss sein.

 

Es muss also nicht immer die Nordsee mit ihrem weiten und leeren Strand sein, die mich zur Ruhe kommen lässt und das Gedankenkarussell des Alltags stoppt. Jetzt und hier nehme mir vor, den Sonntag wieder bewusster zu nutzen, ernenne ihn zu meinem inneren Strand- und Meertag, an dem ich mich besinnen und sammeln kann.

 

In diesem Sinn wünsche ich uns allen Sonntage, an denen es uns gelingt, die Hektik des Alltags hinter uns zu lassen und uns selbst die Aufmerksamkeit zu schenken, die wir verdienen. Möge dieser Tag uns daran erinnern, dass es in Ordnung ist, einen Gang herunterzuschalten, auf uns selbst zu achten und in der Begegnung mit Gott, die Balance in unserem Leben zu finden.

 

Svenia Bormuth

Kirchenvorstand evangelische Kirchengemeinde